Mittwoch, Dezember 22, 2010
Mittwoch, November 06, 2002
Literaturabend in der Galerie Art & Weise in Heide am 05.11.2002:
Der Vorsitzende des Kunstvereins, Dirk Becker (selbst Literat und Vortragender und all-inclusive myself :-), begrüßte im Namen des Kunstvereins Heide und der beiden Galeristinnen, Christel Ritters und Sylvie Schröder, die Anwesenden. Aufgrund der relativ späten Meldung in der Presse waren nur etwa 10 Zuhörer erschienen.
Das ‚Kleine Quartett der Dithmarscher Musikschule’ eröffnete mit einem Musikstück auf ihren Flöteninstrumenten diesen Abend und spielte auch in der Pause und zwischen den einzelnen Lesungsabschnitten. Als erster Autor trat Fritz A. Kunkelmoor aus Itzehoe vor das Publikum und trug philosophische Gedichte vor. „Die Liebeslyrik der letzten Lesung kam wohl nicht so gut an“, meinte er scherzend. Dann nahm Manfred Kolb am Autorentisch Platz und las zuerst Gedichte von Thomas Beller aus dessen Hörbuch „Aurora“, bevor er eigene Lyrik und eine futuristische Kurzgeschichte vortrug. In der sich anschließenden Pause konnten sich die Gäste an Rotwein laben, den Manfred Kolb zur Verfügung gestellt hatte. Tatjana von der Heydt, eine gebürtige Russin, eröffnete die zweite Hälfte dieses Literaturabends. Ihre blumigen Gedichte und die Kurzgeschichte über eine ‚Blaue Rose’ zeugten von der Verbundenheit mit ihrer Heimat. „Es ist einfacher, deutsch zu schreiben als deutsch zu sprechen“, begann sie ihre Vorstellung. So mussten die Zuhörer sich auch anstrengen, dem Sinn der Gedichte richtig folgen zu können. Den Abschluss bildete Dirk Becker, der zuerst eine Kurzgeschichte über den ‚Moloch Stadt’ vortrug und dann eine Auswahl seiner Gedichte und Haikus (einer Form von Kurzlyrik in japanischer Tradition) präsentierte.
Sonntag, November 03, 2002
Kunstpreise des Landes Schleswig-Holstein an Professor Hans-Jürgen Heise und Daniel Richter
Ministerpräsidentin Heide Simonis hat am 28. Oktober im Landeskulturzentrum Salzau dem Lyriker Professor Hans-Jürgen Heise (72) aus Kiel den Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein verliehen. Außerdem wurde der in Eutin geborene Maler Daniel Richter (39) mit dem Förderpreis des Schleswig-Holsteinischen Kunstpreises ausgezeichnet.
„Ich freue mich besonders, dass der Preis mit Ihnen, Herr Heise, einem Lyriker auszeichnet, der in Deutschland und in vielen europäischen Staaten gleichermaßen bekannt und geschätzt ist“, sagte die Ministerpräsidentin auf der Preisverleihung. Im Mittelpunkt der Arbeiten von Hans-Jürgen Heise steht unter anderem eine sich in vielen Zyklen ausbreitende Sammlung von Gedichten, eine Fülle von literaturwissenschaftlichen Essays und eine Biographie. Heise zählt mit seinen über 40 Büchern zu den eigenständigsten deutschen Gegenwartsdichtern. „Ein Dichter, der nie mit, sondern immer gegen den Strom schwamm, einer, der nie modischen Richtungen folgte“, so Simonis.
Der in Ostberlin geborene Literat veröffentlichte bereits als Neunzehnjähriger erste Gedichte. Ein Jahr später floh er aus politischen Gründen nach West-Berlin. Seit 1958 lebt Heise in Schleswig-Holstein. Der Kunstpreis des Landes ist eine von vielen Auszeichnungen, die Heise im Laufe seines literarischen Schaffens erhielt. So wurde seine Arbeit 1973 mit dem Andreas-Gryphis-Preis, 1974 mit dem Kulturpreis der Stadt Kiel, 1988 mit dem Preis „kultur aktuell“ des Landeskulturverbandes, 1990 mit der Verleihung des Professorentitels, 1993 mit dem Pommerschen Kulturpreis und 1994 noch einmal mit dem Andreas-Gryphius-Preis gewürdigt.
Der Träger des Förderpreises, Daniel Richter, gehört zu den innovativsten und vielversprechendsten Malern der jüngeren Generation. Seine großen, dem Format der Historienmalerei angenäherten Bilder zeigen Figurenszenen, die auf gesellschaftliche Realitäten anspielen und öffentliche Situationen und Ereignisse schildern. Mit seinen Arbeiten setzt er neue Akzente in der internationalen Kunstlandschaft. Der Künstler stellte seine Bilder bereits in der Kieler Kunsthalle, im Wolfsburger Kunstmuseum und im Düsseldorfer Ständehaus aus.
Der Kunstpreis ist mit 20.000 Euro, der Förderpreis mit 5.000 Euro dotiert. Die Preise werden seit 1950 alle zwei Jahre verliehen. Zu den Preisträgern zählten unter anderem Sarah Kirsch, Helmut Heißenbüttel, Detlef Buck und das Artemis Quartett.
[Datum: 29.10.2002 - Verfasser: Gerhard Hildenbrand, Anne Nilges, Regierungspressestelle, E-Mail: presse.landesregierung@landsh.de - Sparte: Bildende Kunst, Literatur]
Mittwoch, Oktober 30, 2002
Die ganze Welt ist eine Bibliothek
Stellen Sie sich vor, die ganze Welt waere eine Bibliothek und Sie legen das von Ihnen gelesene Buch einfach auf die naechste Parkbank und nehmen von dort ein anderes Buch mit. Eine merkwuerdige Vorstellung? Nicht ganz, denn eine (zugegeben englischsprachige) Website will genau dies erreichen. Und jeder ist aufgerufen mitzumachen, seine Buecher zu kennzeichnen und sie in die Freiheit zu entlassen. Auch an vielen deutschen Orten findet man schon freilebende Buecher.
bookcrossing.com - Die ganze Welt ist eine Bibliothek: http://www.bookcrossing.com
Freitag, Oktober 25, 2002
Hermann Hesse im Internet
Mit einem gewaltigen Programm gedenkt die Stadt Calw derzeit ihres großen Sohnes Hermann Hesse, dessen Geburtstag sich am 2. Juli zum 125. Mal gejährt hat. Wer keine Zeit hat, selbst nach Calw zu gehen oder auf Hesses Spuren im Tessin zu wandeln, hat jetzt die Möglichkeit sich Hesse virtuell zu nähern. Ausführlich widmet sich das jüngst eröffnete Hermann-Hesse-Portal im Internet dem Leben und Werk des Schriftstellers. So werden die wichtigsten Lebensstationen anhand zahlreicher Bilder und Dokumente nachgezeichnet. Essays bedeutender Hesse-Experten vertiefen die kurz gefassten Texte.
Das mit Unterstützung des Suhrkamp-Verlags sowie seines Hesse-Herausgebers Volker Michels entstandene Portal wendet sich nicht nur an den Laien, sondern bietet auch professionellen Nutzern umfangreiche Recherchemöglichkeiten. So wurde mittels einer Suchmaschine das Martin-Pfeifer-Archiv der Stadtspakasse Calw erschlossen, eine weltweit einmalige Hesse-Sammlung mit Tausenden von Dokumenten. Eine komplette Bibliographie ergänzt das Angebot. Auch Film- und Tonaufnahmen des Dichters sind online abrufbar.
Quelle: Pressebüro et cetera
Kulturerbe erschlossen und gesichert
In polnischen Bibliotheken befinden sich aufgrund der geschichtlichen Entwicklung viele wertvolle Druckwerke aus Orten, die durch Jahrhunderte von Deutschen geprägt waren. In einem zehn Jahre währenden Verfilumgsprojekt wurden diese Bestände jetzt erschlossen und gesichert. An fünf polnischen Bibliotheken – der Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Danzig, der Nationalbibliothek Warschau, der Universitätsbibliothek Posen, der Pommerschen Bibliothek in Stettin und der Universitätsbibliothek Breslau – wurden insgesamt 40.000 Titel katalogisiert und über fünf Millionen Aufnahmen angefertigt. An vier Orten (Warschau, Posen, Stettin, Breslau) wurden eigens Verfilmungswerkstätten mit modernster technischer Ausstattung und qualfizierten Mitarbeitern eingerichtet. Das erschlossene Kulturgut umfaßt unikale Zeitungen, Zeitschriften, jüdische und jiddische Periodika aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, vor allem aber Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts. Die Titel der verfilmten Drucke sind in der von der Universität Breslau erstellten gemeinsamen Datenbank (http://www.bu.uni.wroc.pl) erfaßt. Darüber hinaus ist die Datenbank online über die Bayerische Staatsbibliothek in München nachgewiesen (http://www.bsb-muenchen.de/katalog/polen.htm).
Das Projekt wurde 1992 von der Robert Bosch Stiftung entwickelt. Seit 1995 hat die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit mit rund zwei Millionen Euro den größten Teil der Finanzierung übernommen. Über die bisher geleistete Arbeit informiert eine bei der Robert Bosch Stiftung erhältliche Broschüre.
Doch die Sicherung des deutsch-polnischen Erbes ist noch lange nicht abgeschlossen. Nach den derzeit laufenden Anschlußverfilmungen soll ein weiterer Anlauf genommen werden, um weitere Verfilmungen durchzuführen.
Quelle: Robert Bosch Stiftung
Ceram-Preis des Rheinischen Landesmuseums Bonn für "Die Etrusker" von Franco Falchetti und Antonella Romualdi
Den zum fünften Mal ausgeschriebenen Ceram-Preis des Rheinischen Landesmuseums Bonn / Landschaftsverband Rheinland erhalten Franco Falchetti und Antonella Romualdi für ihr Buch "Die Etrusker", das im Konrad-Theiss-Verlag Stuttgart im verganenen Jahr erschienen ist. Der mit € 5.000 dotierte Preis wird am 26. Oktober im Palais Schaumburg überreicht.
Mit dem Ceram-Preis, benannt nach dem Pseudonym des Autors von "Götter, Gräber und Gelehrte" Kurt W. Marek, zeichnet das Landesmuseum in Abständen von etwa fünf Jahren das beste archäologische Sachbuch des Jahres aus. Die bisherigen Preisträger sind Rudolf Pörtner (1974), der Gustav-Lübbe-Verlag (1980), Wolfgang Wurster (1993) und Marcus Junkelmann (1997).
Quelle: Pressemitteilung
Samizdat – Alternative Kultur in Zentral- und Osteuropa
Vom 5. bis 15. November wird die Ausstellung im Europäischen Parlament in Brüssel gezeigt
Das russische Wort Samizdat steht für „Selbst-Verlag". Alles, was in den sowjetischen Diktaturen von den Behörden verboten war oder die Zensur nicht erlaubte, fand seinen Weg in den intellektuellen Untergrund: von Plakaten und Flugblättern bis zu getippten oder gedruckten Büchern, über Briefmarken zu Fotodokumenten und provokanten Kunstwerken, entstand ein ganz eigener, bunter Kosmos.
Samizdat gab es in allen Ländern des sowjetischen Machtbereichs. Seine größte Verbreitung fand er in der früheren Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn und der DDR. Die Ausstellung, die zuvor bereits in Berlin und Prag zu sehen war, versucht, diese faszinierende und bunte Welt mit 250 Zeugnissen der Vergessenheit zu entreißen.
Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählen ebenso bahnbrechende wie einzigartige Dokumente der Bürger- und Menschenrechtsbewegung in Osteuropa. Darunter die legendenumwobene "Chronik der laufenden Ereignisse", die in der Sowjetunion von 1968 bis 1983 trotz Verhaftungen in 65 Ausgaben erschien. Ebenso die Gründungserklärung der tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung Charta 77. Flugblätter der polnischen Solidarnosc sind ebenso vertreten wie Untergrund-Ausgaben literarischer Werke von Autoren wie Vaclav Havel oder György Konrad. Natürlich fehlen auch Alexander Solschenizyns "Archipel Gulag" und Andrej Sacharows Appelle nicht. Zu der Flut von Untergrundmaterialien gehören auch Künstlerbücher, Kataloge und Objekte der Kleinkunst.
Ziel der Ausstellung ist es, über die Dokumentation der politischen und künstlerischen Opposition hinaus, einen unverwechselbaren Teil der europäischen Kultur ins Bewußtsein zu rücken. Dabei wird die Leistung jener Akteure hervorgehoben, die die Grundlage für die Entstehung demokratischer Strukturen in diesen Ländern legten.
Die Ausstellung von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.
Quelle: Osteuropa-Institut
Montag, Oktober 14, 2002
Imre Kertéz erhält als erster Ungar den Literatur-Nobelpreis
Imre Kertész ist etwas Skandalöses gelungen: die Entmystifizierung von Auschwitz. Es gibt kein literarisches Werk, das in dieser Konsequenz, ohne zu deuten, ohne zu werten, der Perspektive eines staunenden Kindes treu geblieben ist. Wohl nie zuvor hat ein Autor seine Figur Schritt für Schritt bis an jene Grenze hinab begleitet, wo das nackte Leben zur hemmungslosen, glücksüchtigen, obszönen Angelegenheit wird.
Sonntag, Oktober 13, 2002
Die Rückkehr des guten Buches
Von Elmar Krekeler (Welt)
Lamentiert haben sie immer über die Aussichten ihrer Branche, die Buchverleger, bevor sie gen Frankfurt fuhren. Dieses Mal ist es anders. Dieses Mal haben die Schwarzseher Recht. Dieses Mal lassen sich die Litaneien mit Zahlen belegen. Der Buchbranche geht es schlecht, ganz schlecht. Das Frühjahr war eine Katastrophe, der Sommer nicht viel besser. Verleger und Händler im Land der Dichter und Denker schleppen sich durch einen zähen Herbst einem höchstwahrscheinlich erschütternden Winter entgegen. Die Branche, die sich ab heute am Main zu feiern versucht, steckt in der schlimmsten Krise seit Jahrzehnten.
Zum ersten Mal seit 1976 ist der Umsatz geschrumpft. Gebundene und Taschenbücher verzeichnen einen Einbruch von vier Prozent, bei den Publikumsverlagen um sieben Prozent. Der Ratgebermarkt, ehemals ein zentraler Umsatzbringer, ist so gut wie tot, das Sachbuch kränkelt, dem Kinder- und Jugendbuch geht es ohne einen neuen Harry Potter auch nicht gut. Große Buchhandlungen machen Konkurs oder lassen kurzarbeiten. Die Messe selbst verzeichnet fünf Prozent weniger Aussteller, von den deutschen haben sich 15 Prozent den Gang an den Main gespart. Daran, dass große Verlagsgruppen ihren Messestand um bis zu 40 Prozent reduziert haben, zeigt sich das ganze Ausmaß der Misere. Und darin, dass diese 40 Prozent niemand wirklich vermissen wird, zeigt sich auch schon eine Lösung.
Denn auch das Abhandenkommen von 40 Prozent des durchschnittlichen Ausstoßes deutscher Verlage würde vermutlich niemand merken. "Titelreduktion" ist dementsprechend ein Zauberwort der Branche. Wobei ein Treppenwitz der Verlagsgeschichte der ist, dass ausgerechnet die Großkonglomerate, die Bertelsmänner, Holtzbrincks und Springers von denen zu lernen beginnen, die sie bisher gerne aufgekauft haben. Unabhängige kleine und mittlere Verlage wie Antje Kunstmann und Diogenes nämlich haben Strategien entwickelt, die sie unverletzlicher gemacht haben gegen eine Krise, die man ahnen konnte und die nun unübersehbar geworden ist. Sie hatten erkannt, dass die Steigerung der Titelproduktion nicht unbedingt eine Steigerung des Umsatzes bedeutet.
Nun wollen auch die Branchenriesen zum eigentlichen Kerngeschäft, der Produktion nachhaltiger Bücher zurückkehren. Damit allerdings geht nicht nur die Rückkehr zu einem eher konservativen Verlegerbild (weg vom Manager, zurück zum Buch-Entdecker) einher, sondern auch ein Generationswechsel. Mit der Ernennung von Jörg Bong zum S. Fischer-Verantwortlichen und Alexander Fests zum Retter von Rowohlt wurden in den Holtzbrinck-Verlagen Weichen gestellt. Bei Random House scheint sich Ähnliches abzuzeichnen.
Die Zeit der Schnelldreherei ist vorbei. Die Tempojahre sind Vergangenheit. Und viele sind es nicht, die ihr eine Träne nachweinen. "Macht nicht mehr Bücher", hat Michael Krüger, der Kopf des (unabhängigen) Hanser-Verlages unlängst gefordert, "macht nötigere." Wird gemacht, tönt es beinahe einhellig aus den Verlagen der Republik. Das macht Hoffnung. Sie haben verstanden.
